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20. Juni 2017

Crowdfunding – die Mitmach-Finanzierung 2.0

Ein BLOG-Beitrag von Mario Baumüller

Eine gute Idee ganz einfach finanzieren lassen? Dank des Internets hat sich in den letzten Jahren eine neue Möglichkeit aufgetan, um an Geld für Projekte oder Produkte zu kommen: Crowdfunding. Mittels Crowdfunding können sich Unternehmen Geld von privaten Investoren holen, ihre Produkte entwickeln und sie in den Markt bringen.

 

Das Prinzip des Crowdfundings ist, dass sich die hoffnungsvollen Unternehmer das Geld für ihre Pläne nicht über den traditionellen Weg – zum Beispiel einen Bankkredit oder die Beteiligung eines Investors - holen, sondern von vielen, hunderten, manchmal auch tausenden Internet-Nutzern, die kleinere Beträge vorstrecken und dafür in der Regel ein Vorkaufsrecht auf das Produkt oder einen kleinen Bonus bekommen. In den USA ist diese Art der Mittelbeschaffung ein schon seit Jahren bewährtes System, auch in Europa lassen sich in verschiedensten Branchen immer mehr Erfolge zu Buche schreiben.

 

Je nachdem, in welchem Ausmaß ein Investor in ein Unternehmen involviert sein will, gilt es verschiedenste Arten von Crowdfunding zu unterscheiden:

 

Durch Donation-Based Crowdfunding werden häufig Unternehmen der Kreativ-, Kultur- und Kunstszene finanziert, aber oft auch wohltätige Organisationen. Menschen spenden kleinere Geldbeträge für ein bestimmtes Projekt, bekommen jedoch keine oder nur geringe Gegenleistungen.  Im Gegensatz zu einer Spende an eine NPO oder NGO, welche das Geld für alle Projekte verwenden kann, wird der Nutzen dieser zielgerichteten Spende direkt sichtbar. Als Beispiel dient hier das Magdas Hotel in Wien. Das Hotel, in dem ehemalige Flüchtlinge und Hotelprofis zusammenarbeiten, konnte sich einen Teil des Umbaus durch Crowdfunding finanzieren.

 

Beim Reward-Based Crowdfunding bekommt der Investor eine konkrete Gegenleistung. Als Abgeltung für die Geldeinlage wird das Produkt nach Fertigstellung oder ein Gutschein für die anzubietende Dienstleistung gestellt. Diese Art von Crowdfunding kommt oft für die Finanzierung von neuen Produkten und Innovationen zum Einsatz. Der Hersteller von Apfelwein „Mana“ setzte auf die Strategie des Reward-Based Crowdfunding. Unterstützer bekamen je nach Höhe des Betrags eine Erwähnung auf der Homepage, Gutscheine für Apfelbaumpflegeworkshops oder mehrere Flaschen Apfelwein. Ein Totalausfall ist bei dieser Investitionsform möglich, sollte das Produkt aus finanziellen Gründen nie fertiggestellt werden oder das Unternehmen generell keinen Erfolg verzeichnen.

 

Möchte ein Unternehmen einen neuen Zweig eröffnen oder von Banken unabhängiger werden, entscheidet es sich für Lending-Based Crowdfunding. Für Anleger besteht die Möglichkeit, in sogenannte Nachrangdarlehen zu investieren. Man borgt dem Unternehmen einen Geldbetrag für bestimmte Zeit und zu einem definierten Zinssatz. Die Zahlung der Zinsen erfolgt entweder in bar oder auch in Warengutscheinen des finanzierten Unternehmens. Als prominente Beispiele für Lending-Based Crowdfunding in Österreich können Grüne Erde oder Waldviertler Schuhe genannt werden. Vor einer Investition sollte jedenfalls auf die Bonität und die künftigen Perspektiven des Unternehmens  geachtet werden.

 

Eine erweiterte Form des Crowdfundings bietet das Equity-Based Crowdfunding oder auch Crowdinvesting. Der Unternehmer bietet für ein bestimmtes Investment eine direkte Beteiligung am Unternehmen in Form von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft. Im Unterschied zum klassischen Crowdfunding stehen hier eher die Anleger und Investoren im Mittelpunkt als das Projekt selbst. Mit dieser Strategie wurden in Österreich die Getränkeneuheiten „Oma’s Apfelstrudel“ und „Kahée“ erfolgreich umgesetzt. Das Risiko eines Ausfalls ist bei dieser Form von Finanzierung am größten, da meist junge Firmen unterstützt werden, die von Banken keine zusätzlichen Geldmittel erhalten.

 

Österreichische Internetplattformen wie www.respekt.net und www.startnext.net geben jedermann die Chance, Projekte vorzustellen und zu investieren. Bei dem Konzept von Crowdfunding und Crowdinvesting handelt es sich um eine sehr sinnvolle Ergänzung zu den traditionellen Bankfinanzierungen, da vor allem junge Unternehmen und Innovationen die nötige Unterstützung finden.

 

Weitere Informationen finden Sie unter:

 

WKO: https://www.wko.at/Content.Node/Service/Unternehmensfuehrung--Finanzierung-und-Foerderungen/Unternehmensrechnung/Finanzierung/Crowdfunding_fuer_oesterreichische_Unternehmen.html

 

Weitere Crowdfunding Plattformen:

 

http://www.austriancrowdfundingnetwork.at/

 

https://1000x1000.at/

 

https://www.conda.at/crowdinvesting/oesterreich/

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