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29. März 2019

Das Umweltcenter als starker Partner für Bio-Landwirte

Mastbetriebe haben meist einen negativen Beigeschmack. Bilder von dicht gedrängten Tieren, Aufzuchtfuttermittel, wenig bis kein Auslauf und kaum frische Luft kommen einem in den Sinn. Doch es geht auch anders. Wir haben mit Andreas Mittermayr, BIO-Landwirt aus Gunskirchen, über die Haltung seiner Schweinchen gesprochen.

  • Welche Besonderheiten aber vor allem auch welche wesentlichen Unterschiede im Vergleich zur herkömmlichen Schweinemast gibt es?

 

Andreas Mittermayr: Die Wichtigsten Unterschiede sind die Biologische Fütterung und das große Platzangebot mit Auslauf ins Freie. In der konventionellen Mast werden dem Futter synthetische Aminosäuren zugesetzt, um die Futterverwertung zu verbessern, und somit die täglichen Zunahmen zu steigern. Das gibt es in der Bio-Mast nicht. Bei mir am Hof gibt es nur rein biologische Futtermittel, fast ausschließlich aus eigener Erzeugung. In der Bio-Haltung bekommen die Tiere nur, was natürlich im Futter vorkommt. Dadurch wachsen sie langsamer, dafür aber gesund und natürlich. Das Fleisch der Schweine ist durch diese Fütterung besser und gesünder. Weiters ist natürlich das große Platzangebot sehr wichtig. Es wird hier in Fressbereich, Aktivitätsbereich und Liegebereich eingeteilt. Aktivitäts- und Liegebereich sind befestigt und mit Stroh eingestreut, was unter anderem auch als Beschäftigung für die Tiere sehr interessant ist.

 

  • Welche Kontrollen gibt es und wie oft erfolgen diese?

 

Andreas Mittermayr: Es müssen die allgemeinen Standards zur Bio-Schweine – Haltung eingehalten werden. Einmal pro Jahr wird der gesamte Bio-Betrieb von der zuständigen Kontrollstelle geprüft, meistens kurz vor der ersten Ernte im Mai oder Juni. Kontrolliert werden Rechnungen, Lieferscheine, das Futter, die Stallungen, die Freilauffläche aber auch die Felder werden abgefahren und begutachtet.

 

  • Was ist bei Fütterung oder bei Stallungen nun genau zu beachten?

 

Andreas Mittermayr: Es wird ausschließlich Bio-Futter gegeben und die Liegeflächen werden täglich gereinigt und neu eingestreut. Dies ist zwar mehr Arbeit, aber die Tiere leben stressfreier und es geht Ihnen besser.

 

  • Warum der Schritt in Richtung Bio-Haltung? Welche Beweggründe haben Sie dafür?

 

Andreas Mittermayr: Es gab mehrere Gründe warum ich mich für diesen Weg entschieden haben. Zum einen ist es der wirtschaftliche Aspekt. Die konventionelle Schweinemast in Österreich hat EU-weit gesehen meiner Meinung nach einen eher unwichtigen Stellenwert, da der Marktanteil unserer Schweinemastbetriebe verglichen mit Ländern wie Deutschland, Holland und Belgien eher gering ist. Daher muss man die marktkonformen Preise schlucken, die vom riesengroßen EU-Mastschweinemarkt mehr oder weniger vorgegeben werden. Zum anderen ist es die Tierhaltung selbst, die mich zum Umdenken brachte. In meinen alten Stallungen, wo den Tieren noch nicht so viel Platz zur Verfügung stand, hatte ich immer wieder Probleme, die sich negativ auf die Tiere auswirkten. Die Schweine kamen mit 30 Kilogramm in den Stall und hatten aber im Laufe des Wachstums immer die gleiche Fläche zur Verfügung. Ab einer Größe von circa 80 Kilogramm war da natürlich um einiges weniger Platz. Aufgrund des Platzmangels bekamen die Tiere innerlichen Stress welcher sich in meinem Stall dann z.B. in Schwanzbeißen auswirkte. Dies erforderte dann natürlich einen Medikamenteneinsatz, um einer Keiminfizierung entgegenzuwirken. Und das wollte ich so eigentlich nicht weiter führen.

  • Wie hoch ist die Nachfrage nach Bio-Schweinefleisch?

 

Andreas Mittermayr: Österreichweit hat die Bio-Schweinemast einen Marktanteil von ca. zwei Prozent. Die Frage ist, ob der Anteil so gering ist, da nicht mehr produziert wird, oder ob das Angebot in den Supermärkten zu standardisiert ist, sprich nur abgepackte Ware, fertig vorportioniert. Hier liegt der Vorteil ganz klar beim Ab-Hof-Verkauf. Das Fleisch wird fast wie beim Fleischer wunschgerecht zerlegt, die Kunden bekommen genau das, was sie gerade brauchen und die Kunden können auf Wunsch vorbestellen. Es liegt viel am Angebot, entweder die Konsumenten finden kein Bio-Schweinefleisch im Geschäft, oder es ist nicht das verfügbar was benötigt wird, deshalb finden die Leute den Ab-Hof-Verkauf toll. Die Schweine von meinem Betrieb, die nicht Ab Hof verkauft werden, werden über die Firma Hütthaler an das Bio-Qualitätslabel "Zurück zum Ursprung" vermarktet.

 

  •  Wie läuft bei Ihnen der Ab-Hof-Verkauf?

 

Andreas Mittermayr: Wir sind ja quasi noch am Anfang, aber man kann sagen: Es läuft gut an! Aktiv wird von uns regelmäßig ein Newsletter ausgeschickt, aber auch durch Mundpropaganda wird eifrig geworben. Seit kurzem haben wie auch eine eigene Homepage. Man findet uns unter www.hofgreisslerei.at  Wir wollen stetig und nachhaltig wachsen, damit wir uns nicht übernehmen. Derzeit werden ca. einmal pro Monat, je nach Vorbestellungen, ein bis zwei Schweine geschlachtet und verkauft. Zuerst das Frischfleisch, 14 Tage später das Surfleisch frisch aus dem Surfass, und was dann noch bleibt wird zu Speck gemacht. Unser Hofladen ist immer freitags geöffnet, es gibt auch zahlreiche andere Bio-Produkte aus der Region. Das Fleisch gibt es auch auf Vorbestellung.

 

  • Ihre Bio-Schweinemast ist nun seit ungefähr zwei Jahren in Betrieb, was ist Ihr Fazit? Welche Schwierigkeiten oder auch Erleichterungen hat es bis jetzt gegeben?

 

Andreas Mittermayr: Schwierigkeiten hat es eigentlich keine gegeben. Wir arbeiten stets am perfekten Umfeld für die Tiere, damit das Gesamtkonzept perfektioniert wird. Ich setzte immer wieder Verbesserungen im Stall und bei den Freilaufflächen um. Dabei ist alles selbst geplant und gebaut. Ich musste nämlich einerseits etwas verwundert, andererseits etwas enttäuscht, feststellen, dass von den Stallbaufirmen für einen Umbau von einem konventionellen zu einem Bio-Maststall wenig Information oder auch Hilfestellung kam. Es gibt lediglich Konzepte für einen kompletten Neubau. Das Tierwohl ist zwar auch bei den Stallbaufirmen in aller Munde, aber es sollte doch auch Konzepte für Adaptierungen geben, und nicht nur für Neubauten.

 

  • Haben Sie zuvor besondere Ausbildungen, Weiterbildungen für die Bio-Schweine-Aufzucht abgeschlossen?

 

Andreas Mittermayr: Grundsätzlich habe ich natürlich eine landwirtschaftliche Fachschule besucht und später auch die Meisterprüfung abgelegt. Für alle, die ihren Betrieb auf Biologische Wirtschaftsweise umstellen wollen, ist zumindest der Bio-Einsteiger-Kurs verpflichtend. Aber aus persönlichem Interesse besuche ich laufend weitere Seminare, Vorträge und Kurse zur Weiterbildung. Wenn man sich weiterentwickeln will, dann muss man dahinter stehen und sich fortbilden.

 

  • Wie hat sich Ihre Arbeit mit den Tieren im Vergleich zur herkömmlichen Bio-Schweinemast verändert?

 

Andreas Mittermayr: Früher war man hauptsächlich zu den Fütterungszeiten im Stall und hat die Tiere beim Fressen beobachtet und deren Verfassung begutachtet. Heute bin ich länger mit der Stallreinigung beschäftigt und beobachte in dieser Zeit meine Tiere. Der Höhepunkt ist dann immer das einstreuen hinterher. Da warten alle schon richtig darauf, wenn sie wieder neues Spielzeug bekommen. Es ist einfach schön zuzusehen, wenn sie freudig darin herumwühlen. Die Tiere sind jetzt viel ruhiger als früher und sie nützen jede Gelegenheit in der Sonne zu liegen, sobald sie sich zeigt.

 

  • Würden Sie diesen Schritt in Richtung Bio-Schweine-Mast wieder gehen?

 

Andreas Mittermayr: Ja, auf jeden Fall würde ich diesen Schritt wieder gehen. Ich bin von der Bio-Schweine-Aufzucht voll und ganz überzeugt, ich würde zwar dort und da ein paar bauliche Änderungen sofort machen, die ich nach und nach verbessert habe, aber im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden.

 

  • Warum haben Sie sich für eine Zusammenarbeit mit dem Umweltcenter Gunskirchen entschieden?

 

Andreas Mittermayr: Ausschlaggebend für die Zusammenarbeit war für mich die persönliche Betreuung. Aber auch die schnelle Abwicklung bei Bankgeschäften, kurze Informationswege und die Einhaltung von allem was besprochen wurde, machte mir die Entscheidung leicht. Ich hatte sofort das Gefühl im Umweltcenter hat alles Hand und Fuß und alles wird ordentlich erledigt.