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19. April 2016

Schon zwei Tesla-Taxis im Raum Wels-Land unterwegs

E-Mobilität im täglichen Taxi-Betrieb - geht das? Taxi-Unternehmer Johann Haslinger tritt täglich den Beweis an und diskutiert über die Vorzüge und Nachteile von E-Autos im Taxibetrieb und sein Resümee nach einem Jahr Vollbetrieb. Seit 4. Jänner ist das zweite Tesla-Taxi unterwegs.

Was hat Sie dazu bewogen, ein zweites E-Taxi anzuschaffen?

Johann Haslinger: Die Entscheidung war eigentlich ziemlich einfach, nach einem Jahr Vollbetrieb unseres ersten E-Taxis hatten wir 80 Prozent weniger Energie-/Treibstoffkosten, so gut wie keine Instandhaltungskosten und unzählige positive Rückmeldungen von Kunden. Da lag die Anschaffung quasi auf der Hand.

 

Was ist Ihr persönliches Resümee nach einem Jahr?

Johann Haslinger: Wir sind vergangenes Jahr 92.675 Kilometer gefahren. Dabei hat sich der Tesla zum Kundenmagneten entwickelt. Wenn wir am Taxistand warten, haben wir ganz klar einen Wettbewerbsvorteil. Dabei gibt es immer noch viele Menschen, die gar nicht so genau wissen, was das für ein Auto ist. Daher wird fast jede Fahrt zur Testfahrt mit begeisterten Kunden. Für mich als Autofan ist dies natürlich auch immer ein besonderes Erlebnis. Oft mutiert man vom Taxifahrer zum begeisterten „Autoverkäufer“. Einziges negatives Erlebnis letztes Jahr war ein Auffahrunfall und die lange Wartezeit auf Ersatzteile aus den USA.

 

Wie groß ist die Reichweite mit einem „Tank“?

Johann Haslinger: In der Regel kommen wir zwischen 330 und 370 Kilometer. Natürlich ist die Reichweite von vielen Faktoren wie Wetter, Fahrweise, Fahrbahn, Kurz- vs. Langstreckenfahrten abhängig. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass besonders routinierte Fahrer mit Erfahrung als LKW-Lenker die höchsten Reichweiten erzielen. Die ideale Geschwindigkeit liegt dabei auf der Autobahn zwischen 115-120 km/h und auf der Bundestraße zwischen 85-95 km/h.

 

Gibt es auch kritische Stimmen unter Ihren Fahrgästen?

Johann Haslinger: Ja, es gibt auch kritische Stimmen. So manch ein Kunde äußert sich skeptisch über die „Umweltfreundlichkeit“ von E-Autos im generellen. Aber auch Verfechter von Wasserstoffautos sind immer mal wieder unter den Fahrgästen. Generell gibt es aber wesentlich mehr Zuspruch und Zustimmung. Für den Fahrgast unterscheidet sich auch kostenmäßig die Fahrt nicht von einer normalen Taxifahrt.

 

Was sind generell die Unterschiede zwischen einem „normalen“ Taxi-Betrieb und einem E-Taxi-Betrieb?

Johann Haslinger: Die größten Unterschiede sind die Lade- bzw. Tankzeiten zwischen den Fahrten und das geforderte Umdenken bei den Fahrern. Wichtig ist, dass die Tankzeiten genau geplant sind, damit man schnell wieder beim Kunden ist. Darum halten wir alle Fahrer an immer zu tanken, auch wenn es nur 10 Minuten sind. Dies sind oft entscheidende Kilometer. Unsere Nachtfahrer schauen z.B. darauf, dass in der Früh alle Fahrzeuge aufgetankt sind. Zum Tanken lassen sich die Stehzeiten der Fahrer sehr gut nutzen. Wichtig wäre es für uns, dass es mehr Schnellladestationen gibt.

 

Gibt es schon Nachahmer?

Johann Haslinger: Ja, in Linz gibt es seit letztem Jahr auch einen Taxi-Unternehmer, der auf E-Mobilität setzt. In unserem Einzugsgebiet sind wir aber derzeit noch einzigartig. Viele Mitbewerber scheuen derzeit noch die hohen Investitionskosten von rund 100.000 Euro. Oftmals scheitert es aber auch an der Finanzierung durch die Hausbank.

 

Wie sehen Sie die Entwicklung der Ladeinfrastruktur im letzten Jahr?

Johann Haslinger: Wir sehen eigentlich keine wirkliche Verbesserung. Unser Haupteinsatzgebiet ist dabei zwischen Salzburg und Wien. Aus diesem Grund sind wir gerade dabei, bei mir daheim eine Schnellladestation umzusetzen. Generell merken wir, dass es immer mehr E-Autos gibt. Daher kommt es schon mal vor (vor allem bei Schnellladestationen), dass man beim Tanken warten muss. Schade finde ich, dass sich auch unter den E-Auto-Besitzern noch nicht das Bewusstsein herausgebildet hat, nach der Vollladung wegzufahren. Daher kommt es oft zu unnötigen Wartezeiten für uns.

 

Haben E-Autos in der gewerblichen Personenbeförderung eine Zukunft?

Johann Haslinger: Ich persönlich glaube schon. Neben dem positiven Umwelteffekt und der CO2 Einsparung macht es auch kaufmännisch Sinn. Die Energie- und Wartungskosten sind wesentlich niedriger, daraus resultiert auch weniger Stehzeit in der Werkstatt und man ist, zumindest derzeit noch, Kundenmagnet. Ich persönlich finde auch das Handy App von Tesla spitze. Damit kann ich mich in Echtzeit darüber informieren, wie der Ladestand, wo der Aufenthaltsort und wie die klimatischen Bedingungen im Auto sind.